Einen Waldgarten anlegen – Der Traum von einem essbaren Paradies
- Martijn Iglesias

- 18. Sept. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Okt. 2025
Bei Waldgärten denken viele an großflächige Ökosysteme, doch ein Waldgarten kann für so ziemlich jeden Maßstab konzipiert werden. Ein Waldgarten ist ein faszinierendes Konzept, das die natürliche Vielfalt eines Waldes nachbildet und gleichzeitig die Bedürfnisse des Menschen nach Nahrung und Erholung berücksichtigt. Waldgärten laden auch zum Träumen ein. Der Gedanke an einen wunderschönen Wald voller essbarer Leckereien, vielfältigen Pflanzen und seltenen Tieren erinnert so manche gar an längst verloren geglaubte Paradiesgärten. Vielleicht hast auch Du ja schon einmal einen Waldgarten besucht, oder sogar davon geträumt, einen eigenen anzulegen? In diesem Artikel zeige ich Dir, wie Du Deinen eigenen Waldgarten anlegst und was es dabei zu beachten gibt.

Was ist ein Waldgarten?
Ein Waldgarten ist ein Teilbereich der Permakultur, der auf der Idee basiert, die verschiedenen horizontalen Ebenen eines jungen, lichten Waldes mit nützlichen und ertragreichen Pflanzen nachzubilden. Dabei werden vor allem ausdauernde Gewächse gewählt, wodurch dem System langfristige Eigenschaften verliehen werden. Der Gedanke dahinter ist, dass ein natürlicher Wald ohne viel menschliches Zutun funktioniert und dennoch unglaublich produktiv ist. Warum also nicht diesen natürlichen Kreislauf in einem Garten nachahmen, der uns nicht nur mit Schönheit, sondern auch mit Nahrungsmitteln versorgt?
Stell Dir vor, Du gehst durch den Wald und siehst die Bäume, Sträucher, Kräuter und Pilze, die in ihren natürlichen Beziehungen zueinander gedeihen. Der Waldgarten funktioniert nach dem Prinzip der horizontalen Ebenen – in jeder Ebene wachsen unterschiedliche Pflanzenarten, die miteinander harmonieren und voneinander profitieren.
Die 6 Schichten eines Waldgartens
Ein Waldgarten besteht aus mehreren Ebenen, die sich perfekt ergänzen. Jede Ebene kann mehrere Zwecke erfüllen, von der Bereitstellung von Nahrung bis hin zum Schutz des Bodens. Während Waldgärten in den Tropen sogar bis zu acht Ebenen haben können, sind bei den hiesigen Lichtverhältnissen bis zu sieben Ebenen sinnvoll. So funktioniert der Waldgarten:
Die Baumkrone - Große Bäume mit über zehn Meter Höhe: Hier findest Du die großen Obstbäume wie Äpfel, Walnüsse oder Birnen. Diese bieten nicht nur Früchte, sondern auch Schatten und Schutz für die darunterliegenden Pflanzen. Sie können bis zu 10 Meter hoch werden und die Grundlage für Dein Gartenparadies bilden.
Kleine Bäume und große Sträucher, vier bis neun Meter Höhe: Diese Schicht besteht aus kleineren Obstbäumen wie Kirschen, Zwetschgen oder Feigen. Sie benötigen weniger Platz als die großen Bäume und kommen mit weniger Sonne aus. In Kleingärten bildet sie in der Regel die oberste Schicht.
Die Strauchschicht, bis 3 Meter Höhe: Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren und kleinere Nussgehölze sind perfekte Pflanzen für diese Ebene. Sie bieten eine reiche Ernte und locken gleichzeitig viele Bestäuber an.
Die Krautschicht, einige Zentimeter bis 3 Meter Höhe: Ausdauernde Kräuter wie Minze, Schnittlauch, Salbei und Thymian kommen in dieser Ebene zum Zug. Sie brauchen nicht viel Platz und können zwischen den anderen Pflanzen gedeihen, während sie gleichzeitig die Luft aromatisieren und Schädlinge abwehren.
Die Bodendecker: Bodendecker und kriechende Pflanzen wie Erdbeeren, Waldmeister oder Ysop breiten sich flächendeckend aus und halten den Boden feucht, unterdrücken Beikraut und bieten ein zusätzliches Ertragspotenzial.
Die Wurzel- und Knollenschicht: In dieser Schicht gedeihen Pflanzen wie Karotten, Pastinaken, Rote Beete oder Sellerie. Sie nutzen den Raum unter der Erde optimal und produzieren essbare Wurzeln, die sich wunderbar in Deine Ernährung integrieren lassen. Zu dieser Schicht gehören auch Pilze. Sie wachsen am besten im Schatten der Bäume und Sträucher und können auf Baumstämmen oder in feuchten Bereichen gedeihen. Pilze wie Shiitake oder Champignons liefern wertvolle Nährstoffe und sind eine leckere Bereicherung für Deinen Waldgarten
Die Kletterpflanzen: Kletterpflanzen wie Weinreben, Bohnen oder Kiwi brauchen vertikalen Raum und können die Bäume oder andere Strukturen erklimmen. Da diese Pflanzen alle Ebenen durchwandern, sind sie ideale Helfende, um den Raum im Waldgarten optimal auszunutzen.
Warum einen Waldgarten anlegen?
Zugegeben, einen Waldgarten richtig anzulegen ist eine komplizierte Angelegenheit, die ein tiefgreifendes Verständnis von Pflanzen und Bäumen, sowie den Wechselwirkungen zwischen ihnen erfordert. Vielleicht fragst Du Dich jetzt: „Warum sollte ich mir so viel Mühe mit der Planung und dem Anlegen eines Waldgartens machen?“ Es gibt viele Gründe, und ich will vier davon hier kurz für Dich zusammenfassen:
Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit: Ein Waldgarten ist ein positiver Beitrag zum Umweltschutz. Er bindet CO₂, schützt den Boden vor Erosion und schafft Lebensräume für eine Vielzahl von Tieren und Insekten. Zudem ist es ein wahres Paradies für Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge, die für viele unserer Nahrungsmittel unverzichtbar sind.
Selbstversorgung: Du bist deutlich weniger, oder sogar nicht mehr auf den Supermarkt angewiesen, sondern kannst Deine eigenen Lebensmittel ernten – Obst, Gemüse, Kräuter, Pilze. So bist Du nicht nur unabhängiger, sondern auch sicher, dass Deine Lebensmittel frei von Pestiziden und anderen schädlichen Stoffen sind.
Vielfalt und Ertrag: Ein Waldgarten bietet Dir eine unglaubliche Vielfalt an essbaren Pflanzen. Du kannst das ganze Jahr über verschiedene Ernten einfahren, von frühen Kräutern bis zu späten Herbstfrüchten. Durch die Vielzahl an Pflanzen und den räumlich effizienten Anbau auf mehreren Ebenen ist der Jahresertrag zudem in der Regel höher als bei einem traditionellen Garten auf der gleichen Grundfläche.
Weniger Pflegeaufwand: Einmal gut angelegt, benötigt ein Waldgarten weniger Pflege als ein herkömmlicher Gemüsegarten. Durch die Schichtung und den Aufbau des Ökosystems wird der Garten stabiler, und Du musst weniger gießen, düngen und Unkraut jäten.

Wie legst Du einen Waldgarten an?
Das Anlegen eines Waldgartens ist ein spannendes Projekt, das mit der richtigen Planung zu einem wahrhaft transformierenden Highlight werden kann. Hier sind die wichtigsten Schritte:
Bevor Du mit der Gestaltung Deines Waldgartens beginnst, ist eine gründliche Analyse des Standorts entscheidend. Beobachte, wie die Sonnenverhältnisse auf deinem Grundstück sind, welche Bereiche besonders trocken oder feucht sind und welche Beschaffenheit der Boden hat. Eine sorgfältige Standortanalyse ist die Grundlage für die Auswahl der richtigen Pflanzen und die optimale Gestaltung des Gartens. Überlege dir dabei im Vorfeld gründlich, welche Erträge du erzielen willst. Wähle dann standortgerechte Pflanzen aus, die gut miteinander harmonieren und den unterschiedlichen Schichten eines Waldgartens gerecht werden.
Idealerweise ist der Boden bereits gut durchlüftet, dann kannst Du ihn mit Kompost oder anderem organischem Material anreichern. Ist der Boden verdichtet oder anderweitig herausfordernd, können bodenverbessernde Pflanzen wie Lupinen, Borretsch oder Klee je nach Bedarf effektiv den Boden verbessern. Achte darauf, die Pflanzen im Waldgarten nicht zu dicht zu setzen, um ihnen genügend Raum zum Wachsen zu geben. Beim Anlegen der Schichten beginnst Du mit den großen Bäumen und arbeitest Dich nach unten durch die verschiedenen Ebenen des Waldgartens. Dabei ist es wichtig, die Pflanzen so anzuordnen, dass die höheren Schichten den niedrigeren nicht das Licht nehmen. Beachte dabei den finalen Kronendurchmesser, aber auch die Wachstumsgeschwindigkeiten deiner Zöglinge. Ergänze Dein Pflanzkonzept mit stickstofffixierenden Pflanzen, um die Bodengesundheit dauerhaft zu fördern und das gesamte System zu unterstützen.
Ein Waldgarten ist ein langfristiges Projekt, das Geduld erfordert. Es dauert Jahre, bis sich das System vollständig etabliert hat, doch das Warten lohnt sich. In der Zwischenzeit kannst Du Deinen Garten beobachten und wertvolle Erkenntnisse über seine Entwicklung gewinnen. Mit der Zeit entsteht ein lebendiges, vielfältiges Ökosystem, das nicht nur dir vielfältige Erträge bringt, sondern auch die Umwelt großzügig bereichert. Viel Spaß beim Gärtnern und Ernten! Gerne stehe ich dir bei der Entwicklung deines Waldgartens zur Seite - kontaktieren mich dazu und wir finden gemeinsam heraus wie ich dich in deinem Prozess am besten unterstützen kann.




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